Lehrplan | Aktive Methodik | Geschichtskultur: Erinnern an Vergangenheit
| Stichwörter | Geschichtskultur, Erinnern, Identität, kollektives Gedächtnis, persönliche Erinnerungen, kritische Auseinandersetzung, Geschichtsdarstellungen, Vielschichtigkeit von Erinnerungen, verschiedene Perspektiven, historische Ereignisse |
| Erforderliche Materialien | Papier und Stifte, Bilder und Texte zu historischen Ereignissen (aus dem Internet oder Schulbüchern), Digitale Präsentationsmittel (wie Computer oder Tablets), Materialien für kreative Präsentationen (Plakate, Farben, Bastelmaterial), Kameras oder Smartphones für Dokumentationen, Mappen oder Ordner für die Ergebnisse, Projektionstechnik (für Präsentationen) |
Prämissen: Dieser aktive Lehrplan geht von einer 100-minütigen Unterrichtsdauer aus, vorheriges Lernen der Schüler sowohl mit dem Buch als auch mit dem Beginn der Projektentwicklung, und dass nur eine Aktivität (von den drei vorgeschlagenen) während des Unterrichts durchgeführt wird, da jede Aktivität darauf ausgelegt ist, einen großen Teil der verfügbaren Zeit in Anspruch zu nehmen.
Ziele
Dauer: 10 - 15 Minuten
In dieser Phase des Unterrichts wird der Fokus auf das Verständnis der zentralen Konzepte des Themas 'Geschichtskultur: Erinnern an Vergangenheit' gelegt. Die Schüler:innen sollen nicht nur die Vielfalt der Erinnerungsformen kennenlernen, sondern auch deren Einfluss auf die Identitätsbildung sowie die kritische Auseinandersetzung mit Geschichtsdarstellungen unter Berücksichtigung unterschiedlicher Perspektiven erlernen. Dieses Wissen ermöglicht es ihnen, Geschichte nicht nur zu lernen, sondern aktiv zu hinterfragen und zu reflektieren.
Hauptziele:
1. Die Schüler:innen verstehen verschiedene Formen des Erinnerns und deren Einfluss auf das individuelle sowie kollektive Gedächtnis.
2. Die Schüler:innen erkennen die Bedeutung von Geschichte für die persönliche Identität und die Gesellschaft.
3. Die Schüler:innen beschäftigen sich kritisch mit unterschiedlichen Geschichtsdarstellungen und Perspektiven.
Einführung
Dauer: 15 - 20 Minuten
Diese Phase des Unterrichts hat den Zweck, die Schüler:innen durch reale Problemstellungen und persönliche Erinnerungen dazu anzuregen, sich aktiv mit dem Thema 'Geschichtskultur: Erinnern an Vergangenheit' auseinanderzusetzen. Durch das Reflektieren über unterschiedliche Perspektiven und die Bedeutung von Geschichte für die individuelle sowie kollektive Identität wird ein tieferes Verständnis für die Thematik gefördert.
Problemorientierte Situation
1. Eine Gruppe von Schüler:innen kommt in den Geschichtsunterricht und sieht ein Bild von einem historischen Ereignis, das ihrer Meinung nach unterschiedlich interpretiert werden kann. Was denkt die Klasse: Wie beeinflussen diese verschiedenen Interpretationen das Geschichtsbewusstsein?
2. Ein Schüler hat eine Geschichte von seiner Großmutter gehört, die den Zweiten Weltkrieg erlebt hat. Er erzählt der Klasse, wie sich die Erlebnisse seiner Großmutter von dem unterscheiden, was sie in den Geschichtsbüchern gelesen haben. Welche Fragen entstehen zu den Unterschieden zwischen persönlicher Erinnerung und offizieller Geschichtserzählung?
Kontextualisierung
Geschichte ist allgegenwärtig und beeinflusst unser Leben, oft ohne dass wir es merken. Zum Beispiel erinnern sich viele Menschen an die Geschichten ihrer Eltern oder Großeltern über den Mauerfall oder die Wiedervereinigung Deutschlands und wie diese Ereignisse ihre eigene Identität geprägt haben. Dabei ist es wichtig zu verstehen, dass Geschichtskultur nicht nur auf den Schulbuchinhalten basiert, sondern auch durch persönliche Erlebnisse und kulturelle Hintergründe geprägt wird. Diese Vielfalt an Erinnerungen und Erzählungen lässt uns die Geschichte auf unterschiedliche Weisen wahrnehmen.
Entwicklung
Dauer: 70 - 80 Minuten
In dieser Entwicklungsphase des Unterrichts sollen die Schüler:innen aktiv mit dem Thema 'Geschichtskultur: Erinnern an Vergangenheit' umgehen, indem sie in Gruppen kreative und praktische Aktivitäten durchführen. Durch den Austausch von persönlichen Erinnerungen und das kritische Hinterfragen historischer Ereignisse in verschiedenen Kontexten entwickeln die Schüler:innen ein tieferes Verständnis für Geschichte und deren Bedeutung für ihre eigene Identität sowie die der Gesellschaft.
Aktivitätsempfehlungen
Es wird empfohlen, nur eine der vorgeschlagenen Aktivitäten durchzuführen
Aktivität 1 - Erinnerungsreise ins Gestern
> Dauer: 60 - 70 Minuten
- Ziel der Aktivität: Die Schüler:innen lernen die Verbindung von Geschichte und persönlicher Erinnerung kennen und reflektieren über die Auswirkungen dieser Erinnerungen auf die Geschichtskultur.
- Beschreibung: Die Schüler:innen erstellen eine Zeitleiste, die verschiedene historische Ereignisse und deren persönliche Erinnerungen umfasst. Anhand von Bildern, Texten und Videos zu historischen Ereignissen, die sie im Vorfeld zuhause recherchiert haben, gruppieren sie sich in Teams. Jedes Team wählt ein Ereignis aus und sammelt Erinnerungen ihrer Familien oder Freunde, die mit diesem Ereignis in Verbindung stehen. Sie gestalten dann eine kreative Präsentation, die sowohl die historischen Fakten als auch die persönlichen Geschichten umfasst.
- Anweisungen:
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Teilen Sie die Klasse in Gruppen von max. 5 Personen auf.
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Jede Gruppe wählt ein historisches Ereignis, das sie zuvor vorbereitet haben.
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Ermuntern Sie die Gruppen, persönliche Erinnerungen von Familienmitgliedern zu sammeln und in ihre Zeitleiste aufzunehmen.
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Gestalten Sie eine kreative Präsentation (z.B. ein Plakat oder eine digitale Präsentation), die sowohl die historischen Fakten als auch die persönlichen Erinnerungen zeigt.
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Präsentieren Sie die Ergebnisse den anderen Gruppen und diskutieren Sie die Unterschiede und Gemeinsamkeiten der Erinnerungen.
Aktivität 2 - Kulturelle Erzählstunde
> Dauer: 60 - 70 Minuten
- Ziel der Aktivität: Die Schüler:innen reflektieren über die Vielschichtigkeit von Erinnerungen und deren Einfluss auf das Geschichtsbewusstsein sowie die Identität.
- Beschreibung: Die Schüler:innen arbeiten in Gruppen und bereiten ein kurzes Rollenspiel vor, das ein historisches Ereignis aus verschiedenen Perspektiven darstellt. Sie wählen Ereignisse wie den Mauerfall oder die Wiedervereinigung Deutschlands, und jede Gruppe repräsentiert unterschiedliche Meinungen und Erinnerungen zu diesem Ereignis. Nach den Vorbereitungen präsentieren sie ihre Szenen und diskutieren die verschiedenen Perspektiven, die sie dargestellt haben.
- Anweisungen:
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Gruppenbildung und Auswahl eines historischen Ereignisses.
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Jede Gruppe erforscht unterschiedliche Perspektiven und Meinungen zu diesem Ereignis.
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Erstellen und üben Sie ein kurzes Rollenspiel (5-10 Minuten) zur Darstellung der Perspektiven.
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Präsentieren Sie die Rollenspiele vor der Klasse.
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Leiten Sie eine Diskussion über die unterschiedlichen Sichtweisen, die dargestellt wurden, und deren Bedeutung für das Geschichtsbewusstsein.
Aktivität 3 - Geschichte im Alltag
> Dauer: 60 - 70 Minuten
- Ziel der Aktivität: Die Schüler:innen lernen, wie Geschichte im Alltag präsent ist und wie Erinnerungen an solche Orte gebildet werden.
- Beschreibung: Die Schüler:innen dokumentieren alltägliche Orte in ihrer Umgebung, die mit historischen Ereignissen verbunden sind. Sie machen Fotos oder Skizzen dieser Orte und recherchieren dann, wie die Geschichte an diesen Orten wahrgenommen wird und ob es unterschiedliche Erinnerungen darauf gibt. Am Ende erstellen sie ein kleines Heft oder eine digitale Galerie mit ihren Ergebnissen und präsentieren diese der Klasse.
- Anweisungen:
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Die Schüler:innen erhalten die Aufgabe, bekannte Orte in ihrer Umgebung zu erforschen, die mit Geschichte verbunden sind.
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Sie dokumentieren diese Orte mit Fotos oder Skizzen und recherchieren historische Fakten und persönliche Erinnerungen zu diesen Orten.
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Erstellen Sie eine kreative Präsentation oder ein Heft mit den Ergebnissen.
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Präsentieren Sie ihre Arbeiten und diskutieren Sie, wie diese Orte das individuelle und kollektive Gedächtnis beeinflussen.
Feedback
Dauer: 15 - 20 Minuten
In dieser Feedback-Phase des Unterrichts geht es darum, dass die Schüler:innen ihre Erfahrungen und Einsichten über die verschiedenen Formen des Erinnerns und deren Einfluss auf das Geschichtsbewusstsein miteinander teilen. Durch die Gruppendiskussion können sie reflektieren, was sie gelernt haben, und die unterschiedlichen Perspektiven ihrer Mitschüler:innen verstehen. Dieser Austausch fördert das kritische Denken und die Auseinandersetzung mit der Bedeutung von Geschichte für die eigene Identität und das kollektive Gedächtnis.
Gruppendiskussion
Herzlich willkommen zurück, alle zusammen! Jetzt ist es an der Zeit, dass jede Gruppe ihre Erfahrungen teilt. Beginnen wir mit den Erinnerungen und Einsichten, die ihr aus eurer kreativen Arbeit gewonnen habt. Überlegt dabei auch, was euch überrascht hat und welchen Einfluss persönliche Erinnerungen auf die Wahrnehmung von Geschichte haben. Wer möchte als Erster berichten?
Schlüsselfragen
1. Was war das wichtigste, das ihr über die Verknüpfung von Geschichte und persönlicher Erinnerung gelernt habt?
2. Wie haben die unterschiedlichen Perspektiven eurer Mitschüler:innen eure Sichtweise auf die historischen Ereignisse verändert?
3. Welchen Einfluss hat die Art, wie wir Geschichten erzählen, auf unser Geschichtsbewusstsein und unsere Identität?
Fazit
Dauer: 10 - 15 Minuten
In dieser Phase des Unterrichts dient die Zusammenfassung dazu, das Gelernte zu festigen und den Schüler:innen zu verdeutlichen, wie wichtig die Auseinandersetzung mit Geschichte für ihr eigenes Leben und ihre Identität ist. Durch die Reflexion der Erlebnisse und das Verstehen der praktischen Anwendungen werden sie ermutigt, auch in Zukunft aktiv kritisch mit Geschichtsdarstellungen umzugehen.
Zusammenfassung
Am Ende der Stunde haben die Schüler:innen die unterschiedlichen Formen des Erinnerns kennengelernt und deren Einfluss auf das Geschichtsbewusstsein sowie die persönliche Identität reflektiert. Sie haben sich aktiv mit der Frage beschäftigt, wie persönliche Erinnerungen und kulturelle Hintergründe das Geschichtsbild prägen und wie unterschiedliche Perspektiven zu einem tieferen Verständnis historischer Ereignisse beitragen können. Die Diskussion über die Erfahrungen und Ergebnisse ihrer Gruppenarbeiten hat den Schüler:innen ermöglicht, das Gelernte zu verinnerlichen und kritisch zu hinterfragen.
Theorie-Verbindung
Diese Stunde hat Theorie und Praxis miteinander verknüpft, indem die Schüler:innen nicht nur Informationen über Geschichtskultur und das Erinnern vermittelt bekommen haben, sondern diese auch durch kreative Tätigkeiten und persönliche Erlebnisse in der Gruppe angewendet haben. Diese Herangehensweise hat es den Schüler:innen erlaubt, die Bedeutung der Geschichte in ihrem Alltag zu erkennen und die Verbindung zwischen individuellen und kollektiven Erinnerungen herzustellen.
Abschluss
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass das Verständnis von Geschichte und Erinnern nicht auf Büchern oder offiziellen Erzählungen basiert, sondern einen starken Einfluss auf unsere persönliche Identität und die Gesellschaft hat. Die Vielfalt an Erinnerungsformen und Perspektiven bereichert das Geschichtsbewusstsein und hilft uns, die Vergangenheit besser zu verstehen und daraus zu lernen. Dies ist essentiell für das Leben in einer pluralistischen Gesellschaft, in der unterschiedliche Sichtweisen und Erfahrungen wertgeschätzt werden sollten.